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Die Bauinformatik ist ein Teilgebiet des Bauingenieurwesens und befasst sich mit der Lösung bauspezifischer Probleme auf der Grundlage mathematischer und informatischer Methoden. Sogar die erste Rechenmaschine wurde von einem Bauingenieur entwickelt. Konrad Zuse entwickelte sie, um die statischen Berechnungen im Bauingenieurwesen zu automatisieren. Lange Zeit lag der Schwerpunkt der Bauinformatik deswegen auch in der Entwicklung computerorientierter Methoden für die Strukturmechanik.

In der jüngsten Vergangenheit ist jedoch ein Wandel zu beobachten, der weg von den numerischen Problemen hin zur informatorischen Verarbeitung von Wissen geht. Die Forschung befasst sich mit Themen aus allen Phasen im Lebenszyklus eines Bauwerkes, angefangen von parametrisierten Gebäudemodellen mit n-dimensionaler Darstellung von Bauwerken (neben den drei räumlichen Dimensionen sind weitere Dimensionen wie Zeit, Kosten und andere Aspekte möglich) bis hin zu Systemen für den computerbasierten Entwurf von Tragwerken in verteilter Umgebung. Die Simulation von Verkehrs- und Personenströmen, von Lärm- und Lichtimmissionen oder die energetische Betrachtung von Gebäuden (Green Engineering) erhöht die Transparenz von Entscheidungen bzw. verdeutlicht die Notwendigkeit von Modifikationen am Entwurf. Ein weiteres Forschungsgebiet liegt in der Planung der Bauausführung. Mit Hilfe der Simulation sollen in naher Zukunft die Baustelleneinrichtungs-, die Bauausführungs- und die Bauzeitenplanung automatisiert und optimiert werden.

Die Bauinformatik beschränkt sich allerdings nicht auf die Planung, sondern hält auch Einzug auf der Baustelle selbst. Der Abgleich von Bau-Ist und Bau-Soll, die Erfassung der existierenden Substanz beim Bauen im Bestand und Aspekte der Sicherheit auf der Baustelle sind nur einige Schwerpunkte der aktuellen Forschung. Auch für die Betriebsphase des Bauwerks werden neue Forschungsgebiete erschlossen. Hier stechen insbesondere das computerbasierte Facility Management und das sogenannte intelligente Wohnen hervor. Sogar der Rückbau von Gebäuden wird durch die Bauinformatik unterstützt. So kann durch Simulation der Verlauf und die Auswirkungen bei der Sprengung komplexer Tragwerke vorab untersucht werden.

Zur Entwicklung neuer Lösungsstrategien werden heute neueste Kommunikations- und Informationstechniken sowie effiziente Methoden und Algorithmen herangezogen, um den Bauingenieur in all seinen Betätigungsfeldern konsistent und effizient zu unterstützen.